10.01.18

Hilfe für die Helfer

AK Asyl Vaihingen sucht Helfer und Unterstützung

Puzzleteile zusammensetzen

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Von Olaf Büscher, Vorsitzender des AK Asyl Vaihingen/Enz

Advent, Weihnachten und AK Asyl mit Flüchtlingen – geht das zusammen? Ja sicher – und auch dieses Jahr war die Teilnahme am „lebendigen Adventskalender“ selbstverständlich und von moslemischen Flüchtlingen begleitet. Dann stand noch „Kinderweihnachtszauber“ auf dem Programm, das waren die letzten öffentlichen Aktionen des AK Asyl Vaihingen 2017 unter Mithilfe und Teilnahme auch von Flüchtlingen. Für viele Mitbürger war und ist es völlig selbstverständlich, dass wir dabei waren, dass man sich zeigt. Und selbstverständlich war es auch  wieder einmal  für die Mitarbeiter und Helfer, die mit viel Engagement und Freude bei der Sache waren. Allein das wunderschöne, mit viel Liebe gestaltete  Adventskalenderfenster sprach Bände und auch der Stand auf dem Marktplatz gefiel und kam an.

Aber einigen, die den AK Asyl näher kennen, war aufgefallen, dass es dieses Jahr weniger war, dass es weder eine Nikolaus- noch eine Weihnachtsfeier mit kleinen Geschenken für die Flüchtlingskinder gab. Die sichtbare Öffentlichkeitsarbeit beschränkte sich zuletzt scheinbar auf den Treff 3 – dieses monatliche Beisammensein mit Kaffee und Tee, Kuchen, Gesprächen und kleinen Spontanhilfen, das letzte Fahrradtraining musste schon als seltenes Highlight angesehen werden. Brauchen die Flüchtlinge keine Unterstützung mehr? Sind sie angekommen, womöglich schon integriert? Haben sich die Probleme mit Unterkunft, Sprache, Schule, Beruf und anderen wichtigen Bereichen erledigt oder zumindest stark verringert? Schließlich gehen etliche Kinder in die Schule oder den Kindergarten, fahren einige Erwachsenen sogar ihre eigenen Autos und/oder machen den Führerschein. Hunger hat niemand mehr, die Versorgung mit Kleidung funktioniert und den Weg zum Jobcenter und zum Rathaus schafft man alleine. Und wer sich nicht integrieren will, dem kann man nicht helfen.

Diese Eindrücke scheinen sich auszubreiten, aber das Gegenteil ist der Fall. Kleidung und Verpflegung zu organisieren, war noch relativ einfach – wenn auch anstrengend. Nun stehen andere Probleme im Vordergrund. Das Erlernen der deutschen Sprache gestaltet sich für die meisten viel schwieriger als gedacht. Wohnungen zu finden, die den Familien angemessen sind, erinnert an ein Lotteriespiel mit sehr vielen Nieten. Und trotz zahlreicher Bemühungen immer noch ohne jeden Job zu sein, lässt viele verzweifeln. Heißt es nicht immer wieder, dass Arbeitskräfte dringend gesucht werden? Dass Arbeitsplätze unbesetzt sind?

Die meisten Männer und Familien beginnen nach dem  Sinn zu fragen, Hoffnungslosigkeit breitet sich zunehmend aus, Perspektiven gehen verloren, neue sind nicht in Sicht. Das Einleben in die deutsche Arbeitswelt erweist sich ohne gründliche Anleitung und Einweisung als nahezu unmöglich und wenn, dann stehen am Ende oft schier unüberwindliche bürokratische Hürden im Weg. Nach mehreren Jahren erkannte jetzt das Bundesamt, dass sehr viele Flüchtlinge viel zu lange auf einen Deutsch- und Integrationskurs warten müssen, oft länger als 18 Monate. Und wenn es dann klappt und auch die Frauen am Kurs teilnehmen könnten, steht das nächst Problem vor der Tür. Wer kümmert sich um die Kinder, die während dieser Zeit unbetreut sind? Nicht alle sind in der Schule oder im Kindergarten. Man bemüht sich, fragt immer wieder nach, sucht nach Wegen – aber in den meisten Fällen vergeblich. Kann man sich die Bedeutung ständigen Scheiterns für das Selbstbewusstsein vor allem der Väter, für das Familienleben vorstellen? Und die Probleme junger, erwachsener Männer, die zur Untätigkeit verdammt auf sehr engem Raum zusammenleben müssen, zumeist ohne Rücksicht auf Herkunft, Religion und Weltanschauung, sind hier noch nicht berücksichtigt.

Die Problemlage hat sich völlig verändert. Wo individuelle Hilfe mit persönlicher Unterstützung gefragt wäre, fehlt jegliches Personal. Mal vorbeischauen und Material abgeben oder kurz zu begleiten bei Behördengängen, die Zeit ist vorbei. Und im Gegensatz zur oft verbreiteten Ansicht, dass man das Problem gelöst und die Lage im Griff habe, nimmt die Zahl der zu Betreuenden ständig zu. Es sind die Flüchtlinge, die aus den zentralen Erstunterbringungen nach entsprechender behördlicher Bearbeitung den Gemeinden zur weiteren Unterbringung und Betreuung zugewiesen werden. In Vaihingen hat ihre Anzahl 400 bereits überschritten und es werden mehr. Auf der anderen Seite stehen dieser Gruppe mit ihren Problemen beim AK Asyl Vaihingen zumeist nur noch vier bis fünf ehrenamtliche Helfer gegenüber, Helfer, die sich engagieren, die z. T. an ihre Grenze gehen. Bei einigen hinterlässt die Arbeit deutliche Spuren, die man nicht einfach weg wischen kann. Und dazu kommen noch materielle Engpässe, denn die Spendenbereitschaft lässt naturgemäß nach – und Spenden sind die einzige Finanzierung.

Die Helfer brauchen Hilfe! Die Grenze der Belastbarkeit ist erreicht, das, was noch geleistet werden kann, ist häufig unzureichend - schlimmer, es ist oft unbefriedigend. Der Vaihinger AK Asyl braucht zur weiteren sinnvollen Arbeit dringend Helfer und Unterstützung. Dabei ist es nicht mehr das, was etliche Interessierte abgehalten hat, die langfristige „Paten“schaft für die einzelne Familie, die im Vordergrund steht, die oft persönliche Bindungen erzeugt. Auch nicht mehr  das Erledigen aller Bürokratie, aller  Kämpfe mit Formularbergen, das machen mittlerweile meistens die Integrationsbeauftragten der Kommune oder die Sozialarbeiterinnen u. a. des Roten Kreuzes. Nein, es geht um die Hilfe jeweils in akuten Situationen, die nicht vorhersehbar sind oder in der persönliche Hilfe und Unterstützung gefragt ist, es sind zumeist Einzelsituationen. Der AK geht weniger zu den Flüchtlingen – die Flüchtlinge kommen zum AK. Das fördert die Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit – aber zum Gelingen braucht es dann Hilfe, braucht es den AK Asyl. Und der braucht dafür Mitarbeiter – Mitmenschen. Diese Menschen sind unerlässlich, nicht ersetzbar, diese Menschen werden gesucht.